April 2017 - Der Waldmeister ( Galium odoratum)
Einleitung
Der im gemäßigten Klima weit verbreitete Waldmeister gehört zu den Labkräutern (Galium). Das in diesen Pflanzen enthaltene Labferment wird als Säuerungsmittel für die Käseherstellung verwendet, daher rührt der Name. Labkräuter entstammen der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Lange Zeit nahm Galium odoratum im Reigen der Heilpflanzen in der Volksmedizin eine prominente Stellung ein. Das große Verbreitungsgebiet, die einfache Verarbeitung und ein breites Anwendungsspektrum zeichnen die Pflanze aus. Wegen seiner starken Nebenwirkungen, besonders bei falscher Dosierung, wird Waldmeister jedoch in neuerer Zeit nur noch in geringen Mengen verwendet.
Standort
Waldmeister wächst hauptsächlich in den kühlen Waldregionen Europas und Asiens, vorzugsweise in Buchenwäldern, wo er große lichte Stellen bedeckt und ca. 20 bis 30 cm hoch wird. Will man Waldmeister im Garten oder auf dem Balkon ziehen, sollte man den Standort schattig wählen und großzügig gießen. Das Substrat sollte locker, durchlässig und nährstoffreich sein. Waldmeister blüht abhängig vom Standort zwischen April und Juni mit kleinen, weißen, sternförmigen Blütendolden und verbreitet sich teils durch unterirdische Rhizome, teils durch Klettfrüchte, die an Fell und Kleidung haften und so verbreitet werden. Besonders im Garten kann das zu einer ungewollten Ausbreitung der frostharten Pflanze führen, daher den Waldmeister immer gut im Auge behalten! Bestäubt wird die Pflanze vor allem durch Bienen und einige Blatt- und Labkrautspanner-Arten.
Waldmeister gegen Motten und Dämonen
Das typische Waldmeister-Aroma entwickelt sich durch chemische Prozesse erst beim Trocknen der Pflanzen. Verantwortlich für den Geruch ist die große Menge an Cumarin (etwa 1% der Trockenmasse), das bei Überdosierung zu Schwindel und Kopfschmerzen bis hin zu Leberschäden führen kann. In niedrigen Dosen hingegen wirkt Waldmeister krampflösend, entzündungshemmend, gefäßerweiternd und beruhigend und findet daher Verwendung in der Volksmedizin und Homöopathie. Dabei werden immer nur ganze Blätter verwendet – Waldmeister nicht klein schneiden! Waldmeister-Tee wird heiß oder kalt in Maßen besonders gegen Kopfschmerzen und Migräne eingesetzt. Äußerlich angewendet sollen frische Waldmeisterblätter die Wundheilung unterstützen. Auch als Mittel gegen Motten zeigt Waldmeister Wirkung. Und sogar Hexen und Dämonen soll das Kraut fernhalten.
Waldmeister-Geschmack
Übrigens: Die bekannte knallgrüne Farbe von Waldmeister-Produkten kommt nicht aus der Pflanze, sondern aus künstlich zugesetztem Farbstoff. Frisch zubereiteter Waldmeister-Sirup ist farblos.
Waldmeister säen und ernten
Wer Waldmeister über Samen anziehen will, muss den Kaltkeimer im Winter ausbringen. Säen Sie in flache Schalen mit Anzucht- oder Kräutererde und stellen Sie die Gefäße vor Regen und Schnee geschützt im Freien auf. Bis zur Keimung die Erde gleichmäßig feucht halten. Im Frühjahr können Sie die Pflänzchen in kleine Töpfe pikieren und später an Ort und Stelle pflanzen. Eine Direktsaat gelingt nur bei unkrautfreiem Boden. Ältere Pflanzen können im Frühjahr oder Herbst geteilt werden. Waldmeister wird direkt vor oder während der Blüte im Frühsommer geerntet. Die Stängel über dem Boden abschneiden, die Pflanze kurz abbrausen, trockentupfen und entweder frisch oder getrocknet verwenden. Wer nur den Duft genießen will, kann aus getrocknetem Waldmeister zusammen mit Salbei oder Lavendel eine wohlriechende Füllung für Duftkissen herstellen, die auch Motten abhält.
Quelle: https://www.mein-schoener-garten.de